Das wundersame Pfeiflein


Es war einmal ein König, der war unermesslich reich. Die Keller seines Schlosses waren über und über mit Gold und Edelsteinen gefüllt. Obwohl er so reich war, konnte er nicht genug davon kriegen, und er sandte seine Diener überall in die Welt, um noch mehr Gold zu finden.

Sein Volk indessen war sehr arm. Oft hatten die Menschen sogar nicht genug zu essen und mussten hungern. Der König wusste davon, aber noch nie hatte er von seinem Reichtum etwas abgegeben.

Eines Tages klopfte es an das Schlosstor und als man nachschaute, wer Einlass begehrte, sah man ein altes Weib vor der Tür, das verzweifelt um ein Stückchen Brot bat. Die Diener, die den Befehl erhalten hatten, jeden Bettler abzuweisen, verjagten die alte Frau.

Das sah des Schäfers Tochter und da sie ein mitfühlendes Herz hatte, lief sie der alten Frau nach. „Lieb Mütterlein“, rief sie, „haltet ein. Ich habe zwar nicht viel, aber das Wenige will ich gerne mit Euch teilen“.

Sie lud sie ein, sich mit ihr auf einen Baumstamm zu setzen, breitete ihre Schürze aus und teilte mit ihr, was sie hatte. Sie lief auch zum nahegelegenen Bach und füllte ihren Becher mit frischem Wasser und hieß das alte Mütterlein davon trinken.

Als alles verspeist war, reichte das alte Weib dem Mädchen ein Weidenpfeiflein und sagte: „Verwahr es gut. Bist du dereinst in Not, so pfeife auf dem Pfeiflein und dir wird Hilfe zuteil werden.“ …

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