Ernesto auf dem Meer


Es war einmal eine alte Frau, die lebte mit ihrem Enkel am Rande des Dorfes. Das Dorf lag am Meer. Die Frau war bitterarm, hatte sie doch weder Mann noch Sohn, die sie ernährten. Der kleine Enkel war ärmlich gekleidet, so dass ihn die anderen Kinder des Dorfes auslachten und verspotteten. Oft kam er nach Hause gelaufen und weinte bitterlich. Die Großmutter versuchte ihn zu trösten, aber bald reichte der Trost nicht mehr aus. Der kleine Ernesto hielt es nicht mehr aus, sondern er schwor sich, in die weite Welt zu ziehen.

Eines Tages war es soweit. Ernesto pflückte Beeren, grub Wurzeln aus, füllte seinen Bocksbeutel mit frischem Quellwasser und schärfte seine Harpune. Seine Großmutter schenkte ihm zum Abschied eine Kette aus Vogelknochen. „Sie soll dich beschützen. Wann immer du sie küsst, wirst du in einen Vogel verwandelt werden.“ Die Großmutter sprach´s und strich ihm liebevoll über den Kopf. „Außerdem werden die Knochen zu rasseln beginnen, wenn Gefahr für dich besteht. Sie werden dich immer verlässlich warnen“, fügte sie noch hinzu.

Früh am nächsten Morgen, bevor die Sonne aufging, und die Menschen im Dorf erwachten, verabschiedete er sich von seiner Großmutter, stieg in sein Boot und fuhr auf das Meer hinaus.

Er wurde von der Ebbeströmung weit hinaus getrieben, so dass er sein Dorf bald nicht mehr erkennen konnte. Die Sonne schien und Ernesto begann sich immer freier zu fühlen. Ihn kümmerte es nicht, wohin die Reise ging. Einzig die Sonne war sein Wegweiser. Überkam ihn Hunger, so nahm er seine Harpune und fing einen Fisch, aß Beeren dazu und trank einen Schluck vom frischen Quellwasser. Viele Tage fuhr er so in seinem Kajak, bis eines Mittags die Knochenkette anfing, laut zu rasseln. …

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