Der steinerne Mensch


Es waren einmal zwei Linden, die standen weit draußen vor dem Dorf. Ihr Laub wölbte sich schon viele Jahre schützend über eine Figur. Sie war aus Stein und von weichem Moos überwachsen. Wenn man genau hinsah, entdeckte man, dass die Figur ein Mensch war, der seinen Kopf verzweifelt in seinen Händen barg. Seine Augen waren geschlossen, und er saß gebeugten Rückens auf einem Felsen.
Es war ein Sommermorgen. Die Sonne ging auf und ihre goldenen Strahlen erhellten die Figur. Für einen kurzen Augenblick erkannte man die unter dem Moos und Steine verborgene abgrundtiefe Trauer. Einen Atemzug später erwuchs ein geheimnisvoller Klang in der Luft und man hörte den Flügelschlag tausender Vögel.
Eine Träne der Sehnsucht perlte aus dem Auge des steinernen Menschen und tropfte auf sein Knie. Im Widerschein des Morgenlichtes funkelte sie wie ein Kristall zum Himmel. …

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