Im Elfenreich


Vor langer Zeit lebte einmal ein Mädchen bei einer fremden Familie. […] In dieser Familie gab es zwei Töchter. Sie waren es gewohnt von Franziska bedient zu werden. Sie saßen den lieben langen Tag auf der Terrasse und beobachten die Ereignisse auf der Dorfstraße.
Eines Tages, kurz vor Sonnenuntergang, war Franziska so erschöpft, dass sie unter einem Apfelbaum niedersank und bitterlich weinte. Sie griff nach ihrem Medaillon, in dem das Bild ihrer Eltern war. Wie oft hatte dieses ihr Trost und Ruhe gegeben. Da stand plötzlich ein kleiner Elf neben ihr und fragte sie, warum sie so traurig sei. „Ich kann es nicht länger mehr ertragen“, klagte sie. „ Den ganzen Tag muss ich arbeiten. Trotzdem schlägt man mich. Man beschimpft mich, man gibt mir kaum Brot, und weinen darf ich auch nicht. Es ist schrecklich! Zudem muss ich bis morgen noch eine Scheune voll Wolle spinnen. Ich kann nicht mehr.“ Der kleine Elf legte tröstend sein Ärmchen um sie und sagte: „Komm heute Nacht mit in unser Reich. Sei unbesorgt, wir werden das Spinnen für dich besorgen!“ Und so folgte Franziska dem kleinen Elfen. Er öffnete eine Tür im Stamm des Apfelbaums. Sie schritten hindurch und standen in einem wunderschönen Garten, an dessen Ende ein Schloss in der Sonne funkelte. Viele Elfen kamen ihr entgegen und freuten sich sie zu sehen. Sie luden sie ein, sich mit ihnen an eine reich gedeckte Tafel zu setzen. Es gab Speisen, die Franziska noch nie gesehen hatte. Sie sangen und lachten, einige Elfen spielten auf. Nach und nach fielen die Krusten der Sorge und des Gram von ihr ab. Sie fühlte sich leicht und beschwingt. Man hörte sie sogar lachen. Ihr Lachen klang noch etwas rau und eingerostet, denn wie viele Jahre hatte sie nicht mehr gelacht. Es war eine glückliche Nacht. …

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