Die zwei Brüder


… Eines Tages zogen die beiden Brüder in den nahegelegenen Wald, um Holz zu sammeln. Sie hatten ihren Wagen schon fast vollgeladen, als sie leise Hilferufe zu vernehmen glaubten. Sie hielten ein und lauschten. Und tatsächlich hörten sie jemanden mit ersterbender Stimme rufen. Sie ließen alles stehen und liegen und eilten der Stimme nach. Und als sie so liefen, standen sie plötzlich vor einer tiefen Grube. Auf ihrem Grund saß ein alter Mann. Er trug einen langen weißen Bart und ein zerrissenes Gewand. „Bitte, helft mir heraus. Ich bin schon seit Tagen in dieser Grube gefangen. Bei meinem Sturz habe ich meinen Stock, der wie eine Schlange geformt ist, verloren. Bitte sucht ihn und werft ihn zu mir hinunter.“ Es dünkte ihnen seltsam, aber sie suchten in Büschen und Gräsern nach dem Stab. Der Jüngere fand ihn schließlich und warf ihn hinunter ihn die Grube. Der alte Mann hob den Stab auf, murmelte ein paar Worte und plötzlich stand eine Leiter in der Grube, über die der alte Mann hinauf kletterte. Oben angelangt schwang er den Stab und schon stand ein Tisch vor ihm mit den besten Speisen darauf.

Der alte Mann strich ihnen über den Kopf und sagte: „Da ihr mir aus meiner großen Not geholfen habt, möchte ich euch etwas schenken. Jeder von euch hat einen Wunsch frei. Dieser Wunsch wird in drei Jahren in Erfüllung gehen.“ Der ältere Bruder dachte:“ Der Alte kann ja viel versprechen. Der denkt wohl, wir glauben an seine Ammenmärchen!“ Er drehte sich um, ohne einen Wunsch auszusprechen. Der Jüngere aber sann nach und sprach:“ Ich wünsche mir, dass Märchen mir mein ganzes Leben lang zufließen und ich die Menschen damit erfreuen kann.“ Der Alte nickte: „So soll es sein!“

Nun geschah es aber, dass eine große Hungersnot in der Stadt ausbrach und die Menschen großes Leid ertragen mussten. Der Jüngere versuchte den Menschen durch seine Märchen Lebensmut und Hoffnung zu schenken.

Immer mehr Erwachsene versammelten sich abends mit ihren Kindern auf dem Marktplatz, um ihm zuzuhören. Er hatte schon so viele Märchen erzählt, dass er merkte, dass langsam keine Märchen mehr aus ihm hervorsprudelten und er auf bekannte Märchen zurückgreifen musste.
Eines Tages wurde er zu einem sterbenden Mädchen gerufen, …

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